UI vs. UX Design
UI vs. UX Design – Titelbild zum Designwissen-Artikel

UI und UX werden oft verwechselt, beschreiben aber unterschiedliche Perspektiven: UX bestimmt, wie ein Produkt funktioniert. UI bestimmt, wie es aussieht. Warum beides zusammengehört.

UI und UX – zwei Abkürzungen, die im Webdesign ständig fallen und dabei erstaunlich oft verwechselt werden. Manchmal werden sie synonym verwendet, manchmal als Gegensätze dargestellt. Beides ist falsch. UI und UX beschreiben zwei unterschiedliche Perspektiven auf dasselbe Ziel: digitale Produkte zu schaffen, die funktionieren und sich gut anfühlen.

In diesem Artikel klären wir, was hinter den Begriffen steckt, wo die Grenze verläuft und warum die Unterscheidung in der Praxis so wichtig ist – auch wenn am Ende beides zusammengehört.

Was UX Design bedeutet

UX steht für User Experience – die Nutzererfahrung. UX Design beschreibt den Prozess, ein digitales Produkt so zu gestalten, dass es die Bedürfnisse der Nutzer:innen erfüllt und eine positive Gesamterfahrung erzeugt. Der Begriff geht auf Don Norman zurück, der ihn in den 1990er Jahren bei Apple einführte – und bewusst weiter fasste als reines Interface-Design.

UX umfasst alles, was die Nutzung eines Produkts beeinflusst: Wie schnell finden Nutzer:innen, was sie suchen? Wie intuitiv sind die Abläufe? Wie fühlt sich die Interaktion an – vor, während und nach der Nutzung? UX Design betrachtet die gesamte Reise, die jemand mit einem Produkt durchläuft, über alle Berührungspunkte hinweg.

Was UX Designer:innen tun

Der UX-Prozess beginnt nicht am Bildschirm, sondern bei den Menschen. UX Designer:innen erforschen Nutzerverhalten, identifizieren Probleme und Bedürfnisse, erstellen Personas und User Journeys, entwickeln Informationsarchitekturen, bauen Wireframes und Prototypen und testen diese mit echten Nutzer:innen – iterativ, bis das Ergebnis funktioniert.

UX Design ist also vor allem ein analytischer und konzeptioneller Prozess. Es geht weniger darum, wie etwas aussieht, sondern wie etwas funktioniert und wie es sich anfühlt. Ein UX Designer kann ein ganzes Produkt konzipieren, ohne eine einzige Farbe oder Schriftart festzulegen.

Was UI Design bedeutet

UI steht für User Interface – die Benutzeroberfläche. UI Design konzentriert sich auf die visuelle Gestaltung und Interaktivität der Elemente, mit denen Nutzer:innen direkt interagieren: Buttons, Menüs, Formulare, Icons, Farben, Typografie, Abstände, Animationen und Layouts.

Während UX die Struktur und Logik liefert, gibt UI dem Produkt sein Gesicht. UI Design sorgt dafür, dass eine Website oder App nicht nur funktioniert, sondern auch professionell, ansprechend und markenkonform wirkt. Es ist die Brücke zwischen der konzeptionellen Arbeit des UX Designs und dem, was Nutzer:innen tatsächlich sehen und anfassen.

Was UI Designer:innen tun

UI Designer:innen gestalten die visuellen Elemente eines digitalen Produkts. Sie entwickeln Farbpaletten, wählen Schriften, definieren Button-Styles und Zustände (default, hover, active, disabled), gestalten Icons und Illustrationen, erstellen Design-Systeme mit wiederverwendbaren Komponenten und sorgen für visuelle Konsistenz über alle Seiten und Screens hinweg.

Ein wesentlicher Teil der UI-Arbeit besteht darin, Wireframes und Prototypen aus dem UX-Prozess in hochwertige visuelle Designs zu übersetzen – sogenannte High-Fidelity-Mockups, die das finale Erscheinungsbild zeigen.

Der zentrale Unterschied

Die Abgrenzung lässt sich auf einen Satz reduzieren: UX Design bestimmt, wie ein Produkt funktioniert. UI Design bestimmt, wie es aussieht und sich anfühlt.

Ein oft zitiertes Bild: Wenn ein digitales Produkt ein Haus wäre, wäre UX die Architektur – Raumaufteilung, Wege, Funktionalität. UI wäre die Inneneinrichtung – Farben, Materialien, Oberflächen, Lichtschalter. Beides muss stimmen, damit sich jemand wohlfühlt.

Oder konkreter: Eine Banking-App kann ein hervorragendes UI haben – schöne Farben, klare Icons, elegante Animationen. Aber wenn der Überweisungsprozess acht Schritte erfordert und die Suchfunktion nicht funktioniert, ist die UX schlecht. Umgekehrt kann eine App konzeptionell brillant sein, aber wenn sie visuell veraltet wirkt und Buttons zu klein zum Tippen sind, hilft das beste Konzept nicht.

Warum die Verwechslung problematisch ist

In vielen Stellenausschreibungen steht UX/UI Designer – als wäre es ein einziger Job. In kleinen Teams mag eine Person beides abdecken. Aber die Verwechslung der Disziplinen führt in der Praxis zu konkreten Problemen.

Wenn UI für UX gehalten wird, werden Oberflächen hübsch gestaltet, ohne die dahinterliegenden Nutzerprobleme zu verstehen. Das Ergebnis sieht gut aus, funktioniert aber schlecht. Wenn UX ohne UI umgesetzt wird, ist die Logik stimmig, aber das Produkt wirkt unprofessionell oder die Bedienelemente sind visuell unklar. Das Ergebnis funktioniert, überzeugt aber nicht.

Die Unterscheidung hilft, beide Perspektiven ernst zu nehmen – und keinen der beiden Aspekte zu vernachlässigen.

Wie UX und UI zusammenarbeiten

In einem professionellen Designprozess greifen UX und UI nahtlos ineinander. Der typische Ablauf sieht so aus: UX Research liefert Erkenntnisse über Nutzer:innen, Bedürfnisse und Probleme. Daraus entstehen Personas, User Flows und eine Informationsarchitektur. Wireframes zeigen die Struktur – ohne visuelles Design. UI Design übersetzt die Wireframes in visuell gestaltete Screens mit Farben, Typografie und Interaktionsdetails. Prototypen werden erstellt und getestet – erst mit geringer, dann mit hoher visueller Detailtreue. Ergebnisse fließen zurück in beide Bereiche.

Der Prozess ist iterativ: UX- und UI-Entscheidungen beeinflussen sich gegenseitig. Ein UX-Konzept kann sich ändern, wenn UI-Tests zeigen, dass bestimmte Interaktionsmuster visuell nicht funktionieren. Ein UI-Entwurf kann angepasst werden, wenn UX-Research neue Anforderungen aufdeckt.

Der Ästhetik-Usability-Effekt

Ein interessanter psychologischer Befund unterstreicht, warum UI Design nicht unterschätzt werden darf: Menschen nehmen ästhetisch ansprechende Interfaces als benutzerfreundlicher wahr – unabhängig davon, ob sie es tatsächlich sind. Dieser Effekt, erstmals dokumentiert von Masaaki Kurosu und Kaori Kashimura in einer Studie über Geldautomaten-Interfaces, zeigt, dass visuelles Design einen direkten Einfluss auf die wahrgenommene Qualität hat.

Das bedeutet: Ein visuell hochwertiges UI kann kleinere UX-Schwächen kompensieren, weil Nutzer:innen geduldiger und nachsichtiger sind, wenn etwas gut aussieht. Umgekehrt kann ein visuell minderwertiges UI dazu führen, dass selbst eine gute UX als schlecht empfunden wird.

UX und UI im Kontext von Webflow

In der Webflow-Entwicklung verschwimmen die Grenzen zwischen UX und UI oft – weil eine Person oder ein kleines Team beides verantwortet. Das kann ein Vorteil sein: Kurze Wege, schnelle Iterationen, keine Übersetzungsverluste zwischen Konzept und Gestaltung.

Die Gefahr liegt darin, direkt mit dem UI zu beginnen – also Seiten zu gestalten, bevor die Struktur steht. In Webflow ist es verlockend, sofort mit Layouts und Styles zu arbeiten. Aber ohne eine durchdachte Informationsarchitektur, klare User Flows und definierte Seitentypen entsteht ein Flickenteppich statt eines konsistenten Produkts.

Wie Büro Bloock UX und UI verbindet

Bei Büro Bloock trennen wir Konzept und Gestaltung bewusst – auch wenn am Ende beides aus einer Hand kommt. Jedes Webdesign-Projekt beginnt mit Struktur und Nutzerlogik, bevor visuelle Entscheidungen getroffen werden. Das Ergebnis: Websites, die nicht nur gut aussehen, sondern nachweisbar funktionieren – weil UX und UI als das behandelt werden, was sie sind: zwei Seiten derselben Medaille.

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