Informationsarchitektur entscheidet, ob Nutzer:innen auf einer Website finden, was sie suchen. Von Card Sorting über Sitemaps bis Navigation – wie Struktur entsteht, die funktioniert.
Die besten Inhalte sind wertlos, wenn niemand sie findet. Genau dafür sorgt Informationsarchitektur: Sie entscheidet, wie Inhalte auf einer Website oder in einer Anwendung strukturiert, organisiert und miteinander verknüpft werden – damit Nutzer:innen intuitiv finden, was sie suchen, ohne darüber nachdenken zu müssen.
Informationsarchitektur (kurz: IA) ist eines der unsichtbarsten Elemente im Designprozess. Man sieht sie nicht. Man spürt sie nicht – solange sie funktioniert. Aber sobald sie versagt, wird jeder Besuch auf einer Website zur Frustration: Endloses Klicken, verwirrende Menüs, Inhalte, die an den falschen Stellen stehen. Dieser Artikel erklärt, was gute Informationsarchitektur ausmacht und warum sie vor dem visuellen Design kommen muss.
Informationsarchitektur beschreibt die Strukturierung und Anordnung von Inhalten innerhalb eines digitalen Produkts. Sie legt fest, wie Informationen kategorisiert, hierarchisch geordnet und miteinander verknüpft werden. Das Ziel: eine logische, nachvollziehbare Ordnung, die sowohl für Menschen als auch für Suchmaschinen funktioniert.
Der Begriff geht auf den Architekten und Grafikdesigner Richard Saul Wurman zurück, der ihn bereits 1976 prägte. Seine Kernidee: Informationen müssen so aufbereitet werden, dass sie für den Empfänger verständlich sind – nicht für den Absender. Das klingt simpel, wird aber in der Praxis erstaunlich oft ignoriert. Die meisten Websites spiegeln die interne Unternehmensstruktur wider statt die Denkweise der Nutzer:innen.
Wie werden Inhalte gruppiert und kategorisiert? Eine Arztpraxis-Website könnte Leistungen nach Fachgebieten ordnen (wie das Team es intern kennt) – oder nach Beschwerdebildern (wie Patient:innen danach suchen). Die zweite Variante orientiert sich an der Nutzerperspektive und ist fast immer die bessere Wahl. Organisationsprinzipien können alphabetisch, chronologisch, nach Themen oder nach Zielgruppen strukturiert sein – je nach Kontext.
Wie bewegen sich Nutzer:innen durch die Inhalte? Navigation umfasst Hauptmenüs, Untermenüs, Breadcrumbs, Seitenleisten, Footer-Links und kontextuelle Querverweise. Gute Navigation bietet immer Orientierung: Wo bin ich? Wie bin ich hierhergekommen? Wo kann ich als Nächstes hin? Und wie komme ich zurück?
Ein häufiger Fehler: Zu viele Optionen auf der obersten Ebene. Kognitionsforschung zeigt, dass Menschen etwa sieben (plus/minus zwei) Elemente gleichzeitig verarbeiten können. Hauptnavigationen mit mehr als sieben Punkten überfordern und verlangsamen die Entscheidungsfindung.
Welche Begriffe werden für Menüpunkte, Kategorien und Seitentitel verwendet? Die Benennung entscheidet, ob Nutzer:innen verstehen, was sich hinter einem Navigationspunkt verbirgt – oder raten müssen. Leistungen ist klarer als Was wir tun. Karriere ist verständlicher als Zukunft gestalten. Gute Labels sind präzise, erwartbar und konsistent.
Bei umfangreichen Websites reicht Navigation allein nicht aus. Eine Suchfunktion ergänzt die hierarchische Struktur um einen direkten Zugang. Wichtig dabei: Die Suche funktioniert nur so gut wie die dahinterliegende Struktur. Wenn Inhalte nicht sauber kategorisiert und mit Metadaten versehen sind, liefert auch die beste Suchfunktion schlechte Ergebnisse.
Die wichtigste Methode zur Entwicklung einer nutzerzentrierten Informationsarchitektur ist Card Sorting. Dabei werden Inhalte auf Karten geschrieben und Nutzer:innen gebeten, sie in für sie sinnvolle Gruppen zu sortieren und zu benennen. So wird sichtbar, wie die Zielgruppe über Inhalte denkt – oft völlig anders als das interne Team.
Teilnehmer:innen erstellen eigene Kategorien. Ideal in frühen Projektphasen, wenn die Struktur noch offen ist. Es zeigt, welche mentalen Modelle in der Zielgruppe existieren.
Teilnehmer:innen sortieren Inhalte in vorgegebene Kategorien. Ideal, wenn eine bestehende Struktur überprüft werden soll: Finden die Nutzer:innen die Inhalte dort, wo sie erwartet werden?
Teilnehmer:innen bekommen Aufgaben und müssen bestimmte Informationen in einer reinen Textstruktur finden – ohne visuelles Design. Das zeigt, ob die Struktur funktioniert, bevor eine einzige Seite gestaltet wird. Gemessen werden Erfolgsquote, direkter Pfad und Dauer.
Diese Methoden sind nicht reserviert für Großprojekte. Selbst ein informelles Card Sorting mit fünf bis zehn Personen liefert wertvolle Erkenntnisse – und verhindert kostspielige Strukturfehler, die nach dem Launch nur schwer korrigierbar sind.
Das zentrale Ergebnis der Informationsarchitektur ist die Sitemap – eine hierarchische Darstellung aller Seiten und ihrer Beziehungen zueinander. Sie ist das Skelett einer Website: unsichtbar für Besucher:innen, aber tragend für alles, was darauf aufgebaut wird.
Eine gute Sitemap zeigt auf einen Blick die Tiefe der Hierarchie (wie viele Klicks bis zum tiefsten Inhalt), die Breite der Navigation (wie viele Optionen pro Ebene) und die Querverbindungen zwischen Bereichen. Sie wird erstellt, bevor Wireframes oder visuelle Designs entstehen – denn ohne stimmige Struktur kann kein Layout der Welt eine Website retten.
Suchmaschinen bewerten nicht nur Inhalte, sondern auch Struktur. Eine flache, logische Hierarchie mit sprechenden URLs, klaren Kategorien und sinnvollen internen Verlinkungen hilft Google und anderen Suchmaschinen, Inhalte korrekt zu erfassen und zu gewichten. Informationsarchitektur und SEO sind keine getrennten Disziplinen – sie bedingen einander.
Besonders relevant: Die Klicktiefe. Wichtige Inhalte, die mehr als drei Klicks von der Startseite entfernt sind, werden von Suchmaschinen als weniger relevant eingestuft und von Nutzer:innen seltener gefunden.
Die interne Unternehmensstruktur als Seitenstruktur übernehmen – statt sich an der Nutzerperspektive zu orientieren. Zu tiefe Hierarchien, die Inhalte unerreichbar machen. Inkonsistente Benennung, die Nutzer:innen verwirrt. Redundante Inhalte, die an mehreren Stellen stehen und sich widersprechen. Navigation, die auf dem Desktop funktioniert, aber auf dem Smartphone zusammenbricht.
Bei Büro Bloock beginnt jedes Webdesign-Projekt mit Struktur – nicht mit Design. Wir klären, welche Inhalte es gibt, wie sie zusammenhängen und wie Nutzer:innen sie erwarten. Daraus entsteht eine Sitemap, die als Fundament für Wireframes, Design und Entwicklung dient. Das spart Zeit, verhindert Umstrukturierungen mitten im Projekt und sorgt dafür, dass die fertige Website nicht nur gut aussieht, sondern auch funktioniert.